Die schmerzhaften Geheimnisse

Gebetet am Dienstag und Freitag
Diese Geheimnisse in Rosarium beten
Das erste schmerzhafte GeheimnisDie Todesangst am Ölberg
Frucht des Geheimnisses: Ergebung in Gottes Willen
Schrift · Mt 26,36–46
Da kam Jesus mit ihnen in einen Meierhof, Gethsemani genannt, und sprach zu seinen Jüngern: Setzet euch hier, während ich dorthin gehe und bete. Und er nahm den Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit sich, und fing an, sich zu betrüben und zu bangen. Da sprach er zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibet hier und wachet mit mir! Und nachdem er ein wenig vorwärts gegangen war, fiel er auf sein Angesicht, betete, und sprach: Mein Vater! wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; jedoch nicht wie ich will, sondern wie du. Und er kam zu seinen Jüngern, und fand sie schlafend, und sprach zu Petrus: So vermochtet ihr nicht eine Stunde mit mir zu wachen? Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber ist schwach. Wiederum ging er zum zweiten Male hinweg, betete, und sprach: Mein Vater! wenn dieser Kelch nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille. Und er kam wieder und fand sie schlafend; denn ihre Augen waren schwer geworden. Da verließ er sie, ging wieder hinweg, und betete zum dritten Male, indem er die nämlichen Worte sprach. Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Schlafet nunmehr und ruhet! Sehet, die Stunde ist herbeigekommen, da der Menschensohn in die Hände der Sünder überliefert wird. Stehet auf, lasset uns gehen! Sehet, er ist genaht, der mich verraten wird!
Mt 26,36–46 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)
Betrachtung
Folgen wir Jesus bei Nacht in den Ölgarten Getsemani. Die Stadt schläft; der Mond wirft Schatten zwischen die alten Bäume. Er nimmt Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und beginnt zu trauern und zu zagen: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod.“ Ein wenig weiter fällt er auf sein Angesicht und betet: „Nicht wie ich will, sondern wie du.“ Dreimal kehrt er zurück und findet seine Freunde schlafend. Hier, in der Todesangst, geschieht es: „Sein Ja stößt das Nein der Stammeltern von Eden um“. Liebe wird nicht im Gefühl besiegelt, sondern in der Hingabe. Wachen wir eine Stunde mit ihm und bitten wir um die Gnade, unseren Willen dem des Vaters gleichzugestalten, auch wenn es etwas kostet.
Vgl. Rosarium Virginis Mariae, 22
Zum Nachsinnen: Welchen Teil meines Lebens habe ich dem Willen des Vaters noch nicht überlassen?
Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade der Ergebung in Gottes Willen.
Das zweite schmerzhafte GeheimnisDie Geißelung

Frucht des Geheimnisses: Reinheit
Schrift · Mk 15,6–15
Auf das Fest aber pflegte er ihnen einen von den Gefangenen loszugeben, welchen sie begehrten. Nun war einer, Barabbas genannt, der mit den Aufständischen gefangen worden war, und in dem Aufruhre einen Mord begangen hatte. Und als das Volk hinaufkam, fing es an zu bitten, er möchte ihnen tun, wie er immer getan hatte. Pilatus aber antwortete ihnen, und sprach: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe? Denn er wusste, dass die Hohenpriester ihn aus Neid überantwortet hatten. Die Hohenpriester aber reizten das Volk auf, dass er ihnen vielmehr den Barabbas losgebe. Da entgegnete Pilatus wiederum, und sprach zu ihnen: Was wollt ihr also, dass ich mit dem Könige der Juden tue? Sie riefen abermals: Kreuzige ihn! Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Allein sie schrien noch mehr: Kreuzige ihn! Da nun Pilatus dem Volke willfahren wollte, gab er ihnen den Barabbas los, Jesus aber übergab er, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, zur Kreuzigung.
Mk 15,6–15 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)
Betrachtung
Stellen wir uns am frühen Morgen in den Hof des Prätoriums. Die Menge hat Barabbas gewählt; Pilatus, der dem Volk willfahren will, übergibt Jesus zur Geißelung. Soldaten binden ihn an eine Säule. Die Schläge fallen wieder und wieder auf den Leib, der im Schoß Marias gebildet wurde, den Leib, der Aussätzige berührt und Kinder umarmt hat. Er wehrt sich nicht und flucht nicht. Schweigend trägt er in seinem Fleisch die Unordnung unserer Begierden und den Missbrauch unserer Leiber. Schauen wir ihn an, ohne den Blick abzuwenden, und bitten wir um Reinheit des Herzens und des Leibes: den Leib als Tempel zu ehren und mit einer Liebe zu lieben, die den anderen niemals benutzt.
Betrachtung · Rosarium
Zum Nachsinnen: Wie ehre ich meinen Leib und den Leib der anderen als Tempel Gottes?
Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade der Reinheit.
Das dritte schmerzhafte GeheimnisDie Dornenkrönung

Frucht des Geheimnisses: Bekennermut
Schrift · Mk 15,15–20
Da nun Pilatus dem Volke willfahren wollte, gab er ihnen den Barabbas los, Jesus aber übergab er, nachdem er ihn hatte geißeln lassen, zur Kreuzigung. Die Kriegsknechte führten ihn nun in den Hof des Richthauses, und riefen die ganze Cohorte zusammen, und legten ihm ein Purpurkleid um, und flochten eine Dornenkrone, und setzten sie ihm auf. Und sie fingen an ihn zu begrüßen: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie schlugen sein Haupt mit einem Rohre, und spieen ihn an, und die Knie beugend, beteten sie ihn an. Und nachdem sie ihn verspottet hatten, nahmen sie ihm das Purpurkleid ab, und zogen ihm seine eigenen Kleider an, und führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen.
Mk 15,15–20 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)
Betrachtung
Treten wir in den Hof, wo sich die ganze Kohorte versammelt hat. Sie werfen Jesus einen Purpurmantel über die zerschundenen Schultern, flechten eine Dornenkrone und drücken sie ihm aufs Haupt. Sie schlagen sein Haupt mit einem Rohr, speien ihn an und beugen zum Spott die Knie: „Sei gegrüßt, König der Juden!“ Sie meinen es als Scherz, und doch ist es die Wahrheit. Der wahre König wird mit unserer Verachtung gekrönt und herrscht, indem er sie trägt. Bald wird Pilatus ihn hinausführen und sagen: „Ecce homo“ – seht, der Mensch. Hier sehen wir, was es heißt, wahrhaft Mensch zu sein. Bitten wir um Bekennermut: für die Wahrheit einzustehen, wenn sie verspottet wird, und uns Christi niemals zu schämen.
Vgl. Rosarium Virginis Mariae, 22
Zum Nachsinnen: Wo bin ich versucht zu schweigen, wo ich zu Christus stehen sollte?
Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade des Bekennermutes.
Das vierte schmerzhafte GeheimnisDie Kreuztragung

Frucht des Geheimnisses: Geduld
Schrift · Lk 23,26–32
Und da sie ihn hinführten, hielten sie einen gewissen Simon von Cyrene an, der vom Lande kam, und legten ihm das Kreuz auf, es Jesus nachzutragen. Es folgte ihm aber eine große Menge Volkes, und Weiber, die ihn beweinten und beklagten. Jesus aber wendete sich zu ihnen, und sprach: Ihr Töchter Jerusalems! weinet nicht über mich, sondern weinet über euch selbst, und über eure Kinder. Denn siehe, es werden Tage kommen, an welchen man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht genährt haben! Dann wird man anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallet über uns! und zu den Hügeln: Bedecket uns! Denn wenn sie am grünen Holze solches tun, was wird an dem dürren geschehen? Es wurden aber auch zwei andere, Missetäter, mit ihm hinausgeführt, um hingerichtet zu werden.
Lk 23,26–32 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)
Betrachtung
Gehen wir mit der Menge die enge Gasse entlang, die aus der Stadt hinausführt. Jesus, erschöpft, trägt die Last des Kreuzes; jeder Schritt ist Mühe. Die Soldaten halten Simon von Zyrene an, einen Mann, der vom Feld kommt, und legen ihm das Kreuz auf, damit er es Jesus nachträgt. Frauen folgen und weinen, und selbst jetzt wendet sich Jesus ihnen zu und spricht zu ihnen. Er klagt nicht und legt die Last nicht ab. Er trägt sie bis zum Ende, für uns. Unsere eigenen Kreuze sind oft klein, alltäglich und nicht selbst gewählt: eine Krankheit, ein schwieriger Mensch, ein langes Warten. Bitten wir um Geduld, sie mit ihm zu tragen und anderen ihre Kreuze tragen zu helfen, wie Simon es tat.
Betrachtung · Rosarium
Zum Nachsinnen: Wem könnte ich diese Woche helfen, sein Kreuz zu tragen?
Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade der Geduld.
Das fünfte schmerzhafte GeheimnisDie Kreuzigung und der Tod Jesu

Frucht des Geheimnisses: Beharrlichkeit
Schrift · Lk 23,33–46
Und als sie an den Ort kamen, den man Schädelstätte heißt, kreuzigten sie ihn daselbst, und die Räuber, den einen zur Rechten, und den andern zur Linken. Jesus aber sprach: Vater! vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun. Und sie teilten seine Kleider unter sich, das Los darüber werfend. Und das Volk stand da und schaute zu. Und die Vorsteher verlachten ihn mit ihnen, und sprachen: Anderen hat er geholfen, er helfe sich selbst, wenn er Christus, der Auserwählte Gottes ist! Es verspotteten ihn aber auch die Soldaten, welche hinzutraten, ihm Essig reichten, und sprachen: Bist du der König der Juden, so hilf dir! Es war aber auch die Aufschrift über ihm geschrieben in griechischer, lateinischer und hebräischer Schrift: Dies ist der König der Juden. Einer aber von den Übeltätern, die am Kreuze hingen, lästerte ihn, und sprach: Wenn du Christus bist, so hilf dir selber und uns! Da antwortete der andere, verwies es ihm, und sprach: Fürchtest auch du Gott nicht, da du doch dieselbe Strafe erleidest? Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten verdient haben; dieser aber hat nichts Böses getan. Und er sprach zu Jesus: Herr! gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im Paradiese sein! Es war aber um die sechste Stunde, da ward eine Finsternis über die ganze Erde bis zur neunten Stunde. Die Sonne verfinsterte sich, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief mit lauter Stimme, und sprach: Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Und indem er dies sagte, verschied er.
Lk 23,33–46 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)
Betrachtung
Steigen wir hinauf nach Golgota. Um die Mittagszeit verfinstert sich der Himmel. Jesus hängt zwischen zwei Räubern, verspottet von denen, die vorübergehen, und doch betet er: „Vater! vergib ihnen.“ Einem reumütigen Räuber verheißt er das Paradies. Er gibt seine Mutter dem Jünger, den er liebt, und den Jünger ihr. Dann, nachdem er bis zum Äußersten geliebt hat, ruft er: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist“, und neigt das Haupt. Nichts bleibt unvollendet. Die schmerzhaften Geheimnisse führen den Glaubenden dahin, dass er sich „neben Maria unter das Kreuz stellt“. Bitten wir um Beharrlichkeit: treu zu bleiben bis zum letzten Atemzug und uns in die Hände des Vaters zu legen.
Vgl. Rosarium Virginis Mariae, 22
Zum Nachsinnen: Was würde mir helfen, bis zum Ende treu zu bleiben?
Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade der Beharrlichkeit.