Rosarium

Die lichtreichen Geheimnisse

Bartolomé Esteban Murillo, Die Taufe Christi
Bartolomé Esteban Murillo · Die Taufe Christi, c. 1655 · Gemäldegalerie, Berlin · Public domain

Gebetet am Donnerstag

Rosarium Virginis Mariae, 38

Diese Geheimnisse in Rosarium beten

Das erste lichtreiche GeheimnisDie Taufe im Jordan

Frucht des Geheimnisses: Offenheit für den Heiligen Geist

Schrift · Mt 3,11–17

Ich zwar taufe euch in Wasser zur Buße, der aber nach mir kommen wird, ist stärker als ich, dessen Schuhe zu tragen ich nicht würdig bin; dieser wird euch in heiligem Geiste und Feuer taufen. Seine Wurfschaufel hat er in seiner Hand und wird seine Tenne reinigen; seinen Weizen wird er in die Scheuer sammeln, die Spreu aber verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. Damals kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um von ihm getauft zu werden. Johannes aber wehrte es ihm und sprach: Ich habe nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lasse es jetzt geschehen; denn also geziemt es sich uns, jegliche Gerechtigkeit zu erfüllen. Dann ließ er ihn hinzu. Als aber Jesus getauft war, stieg er sogleich aus dem Wasser herauf; und siehe, es öffneten sich ihm die Himmel, und er sah den Geist Gottes herabkommen über ihn und wie eine Taube herabsteigen. Und siehe, eine Stimme vom Himmel sprach: Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an welchem ich Wohlgefallen habe!

Mt 3,11–17 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)

Betrachtung

Gehen wir hinab an das Ufer des Jordan. Scharen von Sündern steigen in den Fluss und bekennen ihre Sünden. Unter ihnen, unbemerkt, steht Jesus und wartet, bis er an der Reihe ist. Johannes wehrt ab, doch Jesus besteht darauf: Er, „der Unschuldige, der sich für uns zur ‚Sünde‘ macht“, steigt mit uns in die Wasser hinab. Als er heraufsteigt, öffnen sich die Himmel, der Geist kommt herab wie eine Taube, und die Stimme des Vaters nennt ihn den geliebten Sohn. Hier offenbart sich die Dreifaltigkeit, und unsere eigene Taufe ist vorgebildet: Auch wir wurden in diese Wasser getaucht und Geliebte genannt. Bitten wir darum, offen zu sein für den Heiligen Geist, der noch immer sanft auf die herabkommt, die demütig warten, bis sie an der Reihe sind.

Vgl. Rosarium Virginis Mariae, 21

Zum Nachsinnen: Wohin will mich der Heilige Geist bewegen, und wo widerstehe ich ihm?

Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade der Offenheit für den Heiligen Geist.

Das zweite lichtreiche GeheimnisDie Hochzeit zu Kana

Bartolomé Esteban Murillo, Die Hochzeit zu Kana
Bartolomé Esteban Murillo · Die Hochzeit zu Kana, c. 1672 · The Barber Institute of Fine Arts, Birmingham · Public domain

Frucht des Geheimnisses: Durch Maria zu Jesus

Schrift · Joh 2,1–11

Am dritten Tage ward eine Hochzeit gehalten zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen. Und da der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein! Jesus aber sprach zu ihr: Weib! was soll dies mir und dir? Noch ist meine Stunde nicht gekommen. Da sagte seine Mutter zu den Dienern: Was immer er euch sagt, das tuet! Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge zu den bei den Juden üblichen Reinigungen, wovon ein jeder zwei bis drei Maß hielt. Jesus sprach zu ihnen: Füllet die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis oben. Und Jesus sprach zu ihnen: Schöpfet nun, und bringet es dem Speisemeister! Und sie brachten es ihm. Als aber der Speisemeister das Wasser kostete, welches zu Wein geworden war, und nicht wusste, woher es kam (die Diener aber, welche das Wasser geschöpft hatten, wussten es), rief der Speisemeister den Bräutigam und sprach zu ihm: Jedermann setzt zuerst den guten Wein auf, und wenn sie genug getrunken haben, dann erst den geringeren; du aber hast den guten Wein zurückgehalten bis jetzt. Diesen Anfang seiner Wunder machte Jesus zu Kana in Galiläa; und er offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn.

Joh 2,1–11 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)

Betrachtung

Stellen wir uns eine Dorfhochzeit vor: Musik und Tanz, Familien dicht gedrängt in einem Hof, Diener, die hin und her eilen. Dann eine leise Verlegenheit: Der Wein ist ausgegangen. Maria bemerkt es vor allen anderen. Sie befiehlt nicht und klagt nicht; sie sagt ihrem Sohn nur: „Sie haben keinen Wein!“ Dann wendet sie sich an die Diener mit der „großen mütterlichen Ermahnung“, wie der heilige Johannes Paul II. sie nennt: „Was immer er euch sagt, das tuet!“ Sechs steinerne Krüge voll Wasser werden zum besten Wein, und die Jünger glauben an ihn. Maria weist immer von sich weg, auf Jesus hin. Bringen wir ihr unsere eigene Leere und vertrauen wir darauf, dass sie uns zu ihm führt, bereit zu tun, was er uns sagt.

Vgl. Rosarium Virginis Mariae, 21

Zum Nachsinnen: Was sagt mir Jesus, das ich immer wieder aufschiebe?

Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade, durch Maria zu Jesus zu gehen.

Das dritte lichtreiche GeheimnisDie Verkündigung des Reiches Gottes

Claude Lorrain, Die Bergpredigt
Claude Lorrain · Die Bergpredigt, c. 1656 · The Frick Collection, New York · Public domain

Frucht des Geheimnisses: Umkehr

Schrift · Mk 1,14–20

Nachdem aber Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa, predigte das Evangelium vom Reiche Gottes, und sprach: Erfüllet ist die Zeit, und das Reich Gottes hat sich genahet; tuet Buße, und glaubet dem Evangelium! Als er nun längs des galiläischen Meeres hinwandelte, sah er Simon und Andreas, dessen Bruder, welche eben ihre Netze in das Meer auswarfen (denn sie waren Fischer). Da sprach Jesus zu ihnen: Folget mir nach, und ich werde machen, dass ihr Menschenfischer werdet. Und alsogleich verließen sie ihre Netze, und folgten ihm. Als er nun von dort ein wenig weiter gegangen war, sah er den Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, die eben auch im Schiffe ihre Netze zurichteten. Und alsogleich rief er sie. Und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Taglöhnern im Schiffe, und folgten ihm.

Mk 1,14–20 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)

Betrachtung

Gehen wir am frühen Morgen am Ufer von Galiläa entlang. Fischer werfen ihre Netze aus und flicken sie, wie an jedem anderen Tag. Jesus kommt vorbei, und seine Stimme durchbricht den Alltag: „Erfüllet ist die Zeit, und das Reich Gottes hat sich genahet; tuet Buße, und glaubet dem Evangelium!“ Simon und Andreas verlassen sogleich ihre Netze; Jakobus und Johannes lassen sogar ihren Vater im Boot zurück. Das Reich ist keine ferne Idee: In der Person Jesu ist es angekommen, und es ruft zur Umkehr des ganzen Herzens. Er vergibt allen, die sich ihm „mit demütigem Vertrauen“ nähern. Bitten wir um wahre Umkehr und um den Mut, unsere Netze zurückzulassen.

Vgl. Rosarium Virginis Mariae, 21

Zum Nachsinnen: Welches Netz muss ich zurücklassen, um Jesus freier zu folgen?

Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade der Umkehr.

Das vierte lichtreiche GeheimnisDie Verklärung

Raphael, Die Verklärung Christi
Raphael · Die Verklärung Christi, 1518–1520 · Vatikanische Pinakothek, Vatikanstadt · CC BY 2.0 (photo: Richard Mortel)

Frucht des Geheimnisses: Sehnsucht nach Heiligkeit

Schrift · Mt 17,1–9

Nach sechs Tagen nahm Jesus den Petrus, Jakobus und Johannes, Bruder desselben, zu sich, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er ward vor ihnen verklärt; und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, seine Kleider aber wurden weiß wie der Schnee. Und siehe, es erschienen ihnen Moses und Elias, die mit ihm redeten. Petrus aber nahm das Wort und sprach zu Jesus: Herr! hier ist gut sein für uns; wenn du willst, so möchten wir hier drei Hütten bauen, dir eine, dem Moses eine, und dem Elias eine. Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an welchem ich mein Wohlgefallen habe; ihn sollt ihr hören. Als die Jünger dies hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat hinzu, berührte sie, und sprach zu ihnen: Stehet auf, und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und während sie von dem Berge herabstiegen, befahl ihnen Jesus und sprach: Sprechet zu niemand von dieser Erscheinung, bis der Sohn des Menschen von den Toten auferstanden ist.

Mt 17,1–9 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)

Betrachtung

Steigen wir mit Petrus, Jakobus und Johannes auf den hohen Berg, außer Atem, während die Ebene unter uns zurückbleibt. Plötzlich wird Jesus vor ihnen verklärt: Sein Angesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider werden weiß wie der Schnee. Mose und Elija reden mit ihm. Petrus, überwältigt, will Hütten bauen und bleiben. Da überschattet sie eine lichte Wolke, und der Vater spricht: „Dieser ist mein Sohn, der geliebte … ihn sollt ihr hören.“ Das ist das „Geheimnis des Lichtes schlechthin“: Die in Jesus verborgene Herrlichkeit leuchtet auf, um die Jünger für das kommende Kreuz zu stärken. Als sie aufblicken, sehen sie niemand als Jesus allein. Bitten wir um eine tiefe Sehnsucht nach Heiligkeit: auf ihn zu hören und in sein Bild verwandelt zu werden.

Vgl. Rosarium Virginis Mariae, 21

Zum Nachsinnen: Was würde sich ändern, wenn ich heute wirklich auf Jesus hörte?

Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade der Sehnsucht nach Heiligkeit.

Das fünfte lichtreiche GeheimnisDie Einsetzung der Eucharistie

Juan de Juanes, Das Letzte Abendmahl
Juan de Juanes · Das Letzte Abendmahl, c. 1562 · Museo del Prado, Madrid · Public domain

Frucht des Geheimnisses: Anbetung

Schrift · Lk 22,14–20

Und als die Stunde gekommen war, setzte er sich zu Tische, und die zwölf Apostel mit ihm. Und er sprach zu ihnen: Sehnlichst hat mich verlangt, dieses Ostermahl mit euch zu essen, ehedenn ich leide. Denn ich sage euch: Ich werde es von nun an nicht mehr essen, bis es seine Erfüllung erhält im Reiche Gottes. Und er nahm einen Kelch, dankte und sprach: Nehmet hin, und teilet ihn unter euch! Denn ich sage euch: Ich werde nicht mehr trinken von dem Erzeugnisse des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt. Und er nahm das Brot, dankte, brach es, und gab es ihnen, indem er sprach: Dieses ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Dieses tut zu meinem Gedächtnisse! Gleicherweise nahm er auch den Kelch, nach dem Mahle, und sprach: Dies ist der Kelch, der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird!

Lk 22,14–20 · Die Heilige Schrift (Allioli–Arndt, 1914)

Betrachtung

Treten wir in den Abendmahlssaal, während es Abend wird. Die Lampen sind entzündet, der Tisch ist für das Paschamahl bereitet, und die Zwölf liegen mit ihrem Meister zu Tisch. Jesus sagt ihnen, wie sehr er sich danach gesehnt hat, dieses Paschamahl mit ihnen zu essen. Dann nimmt er das Brot, dankt und bricht es: „Dieses ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Er nimmt den Kelch: „der neue Bund in meinem Blute“. Hier gibt sich Christus zur Speise und erweist uns seine Liebe „bis zur Vollendung“. Was am Kreuz geschehen wird, wird an diesem Tisch dargebracht und bleibt bei uns in jeder heiligen Messe. Bitten wir um die Gnade der Anbetung: vor diesem Geschenk niederzuknien in Stille, Staunen und Dankbarkeit.

Vgl. Rosarium Virginis Mariae, 21

Zum Nachsinnen: Wie empfange ich Jesus, wenn er sich mir schenkt?

Durch dieses Geheimnis bitten wir um die Gnade der Anbetung.

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