Wissenswertes
Rosenkränze im Alltag und in der Kunst
Das späte Mittelalter

Im späten fünfzehnten Jahrhundert waren Rosenkränze allgegenwärtig. Männer und Frauen hängten sie an den Gürtel oder wickelten sie ums Handgelenk, und wer sich porträtieren ließ, hielt einen in der Hand, um seine Frömmigkeit zu zeigen, wie auf Hans Baldungs Bildnis eines jungen Mannes von 1509. Testamente und Inventare verzeichnen Perlen aus Koralle, Bernstein, Gagat und Silber, und in Paris und London stellten ganze Zünfte von ‚Paternostermachern‘ nichts anderes her.

Manche Rosenkränze waren kleine Kunstwerke. Wohlhabende Besitzer ließen geschnitzte Schlussperlen anfertigen, die am Ende der Schnur hingen. Diese hier, um 1500–1525 in Nordeuropa entstanden, zeigt auf der einen Seite ein junges Liebespaar und auf der anderen den Tod: eine stille Mahnung, während die Finger von Perle zu Perle glitten, dass die Schönheit vergeht und die Ewigkeit bleibt.